Flötenwesen
                            

17.08.2019

Flötenliebe Teil 1

Meine erste Flöte bekam ich, laut meiner Erinnerung, im ungefähren Alter von vier oder fünf. Meine Eltern hatten sich noch nicht scheiden lassen und meine Schwester war noch sehr klein. Sie, die Flöte, war quietschorange und aus Plastik und ich verbinde mit ihr den Geruch von Spucke. Kein Wunder, denn mit vier Jahren hatte ich die Speichelproduktion beim Flöten noch nicht unbedingt unter Kontrolle. Egal, ich brannte lichterloh vor Begeisterung! Und übte und pustete und spuckte. Ich pustete also und es kam – ein Geräusch. Von einem Ton möchte ich jetzt noch nicht sprechen, der kam erst später. Viel später. Wer Blockflöten kennt, weiß was ich meine. Eine Blockflöte kann ja durchaus auch als Folterinstrument zugelassen werden. Ich hatte noch keine Absichten, ich freute mich, das ich diesem Instrument irgendwelche Töne entlocken konnte – schön waren sie nicht, das wusste ich selber, aber laut. Und voller Enthusiasmus intonierte ich in meinen Anfängen vor allem den Rhythmus der Kinderlieder, die ich so aus dem Kindergarten kannte. Ein Phänomen, dass ich bei Efke (4 oder 5 Jahre) diesen Sommer wiederfand. Ich vermute heute, dass meine Mutter zu dem Zeitpunkt, als sie mich zum Üben nach Draußen schickte, an Ohrenbluten und Tinnitus litt. Es dauerte im Übrigen nicht lange und auch die Nachbarn litten an Ohrenbluten und Tinnitus und ich durfte wieder drinnen üben.
Ich liebte dieses „schreckliche“ Instrument und übte ohne Unterlass – was ich übrigens auch in meiner Akkordeon-Phase getan habe. Musik war für mich immer schon eine Möglichkeit loszulassen und zu entspannen. Damals war mir das natürlich noch nicht so klar. Heute ist das alles wissenschaftlich untersucht, aber in meiner Kindergarten- und späteren Schulzeit, waren solche Bestätigungen für mich nicht wichtig. Sind sie eigentlich auch heute nicht, denn heute weiß ich um diese Wirkungen. Bei den Flötenwesen ist es noch einmal etwas anderes. Diese Flöten sind aus heimischen Ästen gefertigt, wobei ich immer versuche den Charakter und das Wesen zu unterstützen. Hier wirken Bäume, Devas und die Elemente mit ihren ganz eigenen Energien. Und sie geben diese an uns weiter, wenn wir die Verbindung mit ihnen eingehen. Konkret meine ich damit: ich verbinde mich, ich gebe meinen Atem, damit das Flötenwesen tönen kann. Das ist Magie. Das ist Liebe. Und darum baue ich Flöten. Schon allein die Auswahl des Holzes, das auf einmal so präsent ist, ist sooooo spannend! Niemals mehr möchte ich etwas anderes machen. Kann ich auch gar nicht.

Patricia - 12:33:49 | Kommentar hinzufügen

20.06.2019

Vom Krafttier - und als es mir im Nacken saß…

Eine Geschichte, an die ich mich immer sehr gerne erinnere, ist die Geschichte von der Krafttierpfeife. Ende 2017, also noch sehr zu Beginn meiner Flötenwesenzeit, bekam ich über Facebook eine Anfrage von einer schamanisch wirkenden Dame. Sehr freundlich fragte sie an, ob ich ihr eine Pfeife für ihr Krafttier bauen kann. Ich muss gestehen, ich fühlte mich in meiner Ehre ein wenig gekränkt. Eine Pfeife. Ich baue Flöten und keine Pfeifen. Der Klang des Wortes „Pfeife“ hat übrigens nach wie vor etwas Negatives für mich. Wie schnell bezeichnen wir im Alltag jemanden als „Pfeife“? Ich also nun als Pfeifenbauerin? Nein, auf keinen Fall. Sehr nett (glaube ich) habe ich ihr zurück geschrieben, dass ich Flöten baue und wenn sie eine Flöte für ihr Krafttier haben möchte, könne sie mich sehr gerne kontaktieren, ich würde ihr dann sehr gerne weiterhelfen. Eine Pfeife… Pfffft….

Natürlich kam es anders, denn sonst würde ich es jetzt hier nicht beschreiben. Diese Pfeife saß mir irgendwie im Nacken. Ständig. Permanent. Nervig. Ich stürzte mich in den Flötenbau, aber es blieb – die Pfeife. Ständig wuselte sie mir zwischen den Synapsen herum und alle meine Gedanken kehrten zurück zu ihr, egal was ich auch tat. Ob ich im Wald unterwegs war, ein Buch las, oder was auch immer – alles lief auf die Umsetzung dieser Krafttierpfeife hinaus. Ich kapitulierte – und dachte: ich kann’s ja mal ausprobieren. In meinem Nacken und in meinem Geist jubelte der Spirit… Es waren übrigens die Raunächte 2017.

Am 31.12. begann ich eine kleine Birkenpfeife, kurz, knackig, mit nur einem Tonloch und einer gefundenen Falkenfeder zu fertigen. Der Wunsch der schamanisch wirkenden Dame war, dass diese Pfeife sich anhört wie der Schrei ihres Krafttieres, des Falken. Ich selbst war sehr unsicher, ob sie nun auch den typischen Ruf des Falken träfe. Aber was blieb mir übrig, als zu vertrauen? Schließlich hatte mich ihr Krafttier die ganze Zeit begleitet und dafür gesorgt, dass dieser Wunsch umgesetzt wurde. Nachdem die Pfeife so weit war, dass ich sie zeigen konnte, habe ich ihre Hüterin kontaktiert und gefragt, ob sie immer noch Interesse habe. Ich hätte ihre Pfeife fast fertig – dank ihres Krafttieres, das mich unbarmherzig getrieben hat. (Ok, ganz so schlimm war es nicht.) Sie hatte. Es entspann sich ein netter Dialog zwischen Porta Westfalica und Österreich mitten im Wald. Ich finde es immer sehr schön, wenn ich mehr über die Hüter erfahren darf. Dafür sind die Plattformen der sozialen Medien einfach wunderbar geeignet. Dort treffe ich auf Menschen, die genauso ver-rückt sind wie ich.

Patricia - 13:26:49 | Kommentar hinzufügen

Von Mittelaltermärkten und Flötenkindern

Ich mag es am allerliebsten, wenn die Menschen sich in Begeisterungsstürmen den Flöten gegenüber ergehen (Mutterstolz mag ich das jetzt nennen – und ja, wer mag das nicht). Aber (!) das ist unabhängig davon, ob diese Menschen etwas kaufen (NATÜRLICH freue ich mich darüber, wenn sich jemand unsterblich verliebt). Es ist eine wunderschöne Art der Wertschätzung gegenüber dem, was ich tue und es berührt mein Herz. Auf dem letzten Mittelaltermarkt brachte mich eine Frage dann jedoch für den Moment in arge Bedrängnis, denn ich hatte keine Antwort parat (so was mag ich gar nicht!!!!). Die Frage war, wo denn mein Bezug der Flöten zum Mittelalter wäre. Im ersten Moment war ich ziemlich baff, druckste dann aber schnell herum, dass Flöten neben Rasseln und Trommeln zu den ältesten Musikinstrumenten der Menschheit gehören. Aber das klang selbst in meinen Ohren ziemlich lahm. Blabla. Natürlich kann ich auch die verschiedenen Bauweisen erläutern, aber ich glaube, das hab ich in dem Fall nicht getan. Ich war einfach zu perplex.

Ja, wo ist mein Bezug zum Mittelalter? Was berechtigt mich, mit den Flötenkindern von Markt zu Markt zu ziehen und Freude unter den Menschen zu verbreiten? Ich weiß es nicht. Diese Flöten sind angelehnt an die indianische Bauweise, aber aus heimischen Hölzern mit der Energie der verwendeten Bäume versehen. Nein, keine Knochenflöten. Ich kann die Energien oft nicht gut aushalten. Und nein, keine klassischen Blockflöten. Muss das denn sein? Flöten gibt es, so lange es Menschen gibt und von jeher wurden sie (in welcher Variante auch immer) als Verlängerung von Atem und Stimme gesehen. Seit der Steinzeit wurde der Flöte eine magische Kraft zugesprochen. Götter und Geister, Wind und Wetter, die Liebe und noch viel mehr, konnten durch den Klang einer Flöte beeinflusst werden. Der Weg in die andere Welt wurde so begleitet. Auf zarten Schwingen entschwand die Seele, begleitet von Tönen, getragen vom Wind.

Und magisch ist das Flötenspiel.
Der erste Ton, für den du dich ihr hingibst, deinen Atem gibst, das ist Magie.  Und da ist es egal, wie vielen Flötenkindern du auf die Welt geholfen hast, es bleibt Magie. In der Adventszeit des letzten Jahres habe ich auf einem Adventsbasar mit den Flöten gespielt. Und die Reaktionen der Menschen war so schön: sie hielten inne, Gesichter begannen zu strahlen. Ist das meine Berechtigung, über die Mittelaltermärkte zu ziehen? Herzen berühren?
Im letzten Jahr auf dem Markt in Warendorf stand ein junger Mann an meinem Stand. Er spielt sonst Digeridoo, nun spielte er eine Haselflöte. Und was für Töne er ihr entlocken konnte – verrückt!!!! Ich schmolz dahin vor Begeisterung. Aber das größte Geschenk machte er mir. Es waren seine Worte, die mir bis heute im Herzen klingen: „Mach weiter mit dem was du tust, die Welt braucht solche Menschen wie dich.“ Danke, du unbekannter Seelentröster. Ich denke an dich, wenn die Zweifel überhand nehmen.

Patricia - 11:42:26 | Kommentar hinzufügen


 
 
 
 
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